Ein Wien, ein Mensch und kaum Heiligkeit. Thomas Northoff schreibt einen Roman, in dem sich dessen Protagonist an seiner eigenen Lebensgeschichte abarbeitet. Naiv, aber auch humor- und lustvoll läuft er durch die Welt, stößt überall an, reibt sich, wird abgerieben, bleibt meist er selbst und kommt niemals an. Thomas Northoff wählt die Sprache als vertiefenden Ausdruck seines Protagonisten und bedient sich munter bei seinem tschechischen Vorbild Jaroslav Hasek, dessen Abenteuer des braven Soldaten Schwejk hier eine Folie bieten, die ein Leben erklärbar erscheinen lassen.
Schlagwort: Bibliothek der Provinz
Bei aller Freundschaft – Andreas Weber: Mischa Sebba Eichmanns Freund
Ein Roman mit Adolf Eichmann erscheint auf den ersten Blick als eine heikle Angelegenheit. In Mischa Sebba werden wir dem jungen Eichmann gewahr, der im Kontrast zu seinem titelgebenden Jugendfreund steht – eine eigenwillige Freundschaft, deren Kern nur schwach leuchtet. Von Linz nach New York und wieder nach Linz zurück: Die örtliche Veränderung kennzeichnet die Etappen des Romans, in der Vergangenheit beleuchtet wird und diese in der Gegenwart noch heute wieder auftaucht.
Ins Ungewisse hinein fragen – Hans Eichhorn: Ungeboren
Hans Eichhorn konnte sein vorletztes Buch selbst noch einmal in der Hand halten, ehe er mit nur 64 Jahren am 29. Februar 2020 (demselben Tag wie Alfred Kolleritsch, ein langjähriger Freund Eichhorns und der Begründer der Zeitschrift Manuskripte, für die Eichhorn gelegentlich geschrieben hat) starb. ‚Ungeboren‘ wirkt mit Blick auf den frühen Tod des Autors wie eine vorausschauende Ahnung, die sich dem Ungewissen in bekennender Unwissenheit gegenüberstellt. Ein wundervolles Prosastück für das eigenste Sein.



