Schmatzend echt – Thomas Northoff: Die unerzählte Geschichte vom Bettelgeiger und der heiligen Kümmernis

Ein Wien, ein Mensch und kaum Heiligkeit. Thomas Northoff schreibt einen Roman, in dem sich dessen Protagonist an seiner eigenen Lebensgeschichte abarbeitet. Naiv, aber auch humor- und lustvoll läuft er durch die Welt, stößt überall an, reibt sich, wird abgerieben, bleibt meist er selbst und kommt niemals an. Thomas Northoff wählt die Sprache als vertiefenden Ausdruck seines Protagonisten und bedient sich munter bei seinem tschechischen Vorbild Jaroslav Hasek, dessen Abenteuer des braven Soldaten Schwejk hier eine Folie bieten, die ein Leben erklärbar erscheinen lassen.

Bei aller Freundschaft – Andreas Weber: Mischa Sebba Eichmanns Freund

Ein Roman mit Adolf Eichmann erscheint auf den ersten Blick als eine heikle Angelegenheit. In Mischa Sebba werden wir dem jungen Eichmann gewahr, der im Kontrast zu seinem titelgebenden Jugendfreund steht – eine eigenwillige Freundschaft, deren Kern nur schwach leuchtet. Von Linz nach New York und wieder nach Linz zurück: Die örtliche Veränderung kennzeichnet die Etappen des Romans, in der Vergangenheit beleuchtet wird und diese in der Gegenwart noch heute wieder auftaucht.

Fremd im eigenen Tal – Julia Jost: Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht

Was die jungen Jahre als Kind so alles mit sich bringen. Jede und Jeder hat so seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Leben im Hause der Eltern und der unfreiwilligen Nachbarschaft gemacht. Julia Jost schreibt einen Roman darüber, wie es sich als Kind angefühlt hat, die Gegend doch fremder zu erfahren, als es das eigene Leben darin ist.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Scheins oder Ein Halbes leben – Terézia Mora: Muna oder Die Hälfte des Lebens

Terézia Moras neuer Roman Muna oder Die Hälfte des Lebens ist eine spannende Herausforderung für alle Leser und Leserinnen. In für sie ungewöhnlicher Weise präsentiert die Autorin hier in einen Text, dessen schonungsloses Erzählen die autobiographische Perspektive der Ich-Erzählerin nutzt, um das Erwachsenwerden einer jungen Frau zu portraitieren, die sich selbst in ihren Umständen gefangen hält und darüber hinaus kaum Freiheit in den eingeübten gesellschaftlichen Arrangements finden kann. Ein wenig naiv mag es einem vorkommen, aber ist es das wirklich?