„Keine Frau auf Erden wird je so schön sein“ – Monika Helfer: Die Bagage

Das literarische Jahr 2019 endete mit üblen Twittergefechten zu Karen Köhlers außerordentlichem Roman Miroloi. In deutschen Feuilletons, österreichischen Social-Media-Gruppen und Schweizer Kulturradios wurde über weibliches Schreiben im frühen 21. Jahrhundert gestritten. Es ging um die Selbstermächtigung der Frau. Im Jahr 2020 geht die Diskussion stürmisch weiter. Die österreichische Schriftstellerin Monika Helfer beteiligt sich durch die Veröffentlichung eines aufsehenerregenden Porträts einer alles andere als schwachen Frau in den Untergangsjahren der Habsburgermonarchie. Ein Selbstermächtigungszeugnis der besonderen Art.

Es gibt keinen unbesiegbaren Gegner – Verena Güntner: Power

In letzter Zeit erwecken starke weibliche Charaktere an der Schwelle zum Erwachsenenalter immer wieder die Aufmerksamkeit der Literaturkritik. Doch keine junge Frau taugt so gut zum Vorbild wie Verena Güntners Heldin Kerze. Mit dieser literarischen Figur erhalten Kinder endlich eine mächtige, zeitgemäße Fürsprecherin. Die Generation Alpha darf aufatmen.

„Wir saßen in heftiger Harmonie einander gegenüber“ – Martin Walser: Mädchenleben oder Die Heiligsprechung

„Er ist im Grunde überhaupt kein Erzähler“, urteilte Marcel Reich-Ranicki 1996 über Martin Walser. Der am Bodensee aufgewachsene Autor war damals schon eine lebende Legende: zuerst Mitglied der Gruppe 47, bald Büchner-Preisträger, Starautor der Tendenzwende, vielzitierter Gesellschaftskritiker, Nobelpreisanwärter. Wenn Peter Handke trotz seiner ausserliterarischen Verfehlungen einen Nobelpreis bekommen konnte, was bewahrt dann Martin Walser noch davor, einen zu erhalten? Sein neuestes Buch wird es nicht sein. Es ist zu unbedeutend. Was damals nämlich noch eine gewagte Aussage Reich-Ranickis war, ist inzwischen eingetreten: Walser erzählt nicht mehr, er verfasst in einer wunderbaren Sprache liebliche Büchlein ohne Biss. Und manchmal fällt durch einen lichten Dunst von Sprache ein Schatten von Gewalt. Unser Autor erklärt, warum sein neuestes Werk nicht viel mehr bietet als ein wenig Zerstreuung.

Es läuft gut für die Menschheit – Sibylle Berg: GRM. Brainfuck

Sexsklaverei, Sozialkaufhäuser, Snuff-Videos – all diese Themen wurden bereits einmal in Literatur abgehandelt. In richtig guter Literatur. Sibylle Berg führt diese Absonderlichkeiten der gegenwärtigen Sozio- und Technosphäre in einer Gesamtschau zusammen und fügt ihnen noch Wut und Hass und eine kaum zu überbietende Grausamkeit hinzu. Alles abgemischt mit dem harten Sound von Grime. Perverse Punchlines. Brutale Nachhallefekte. Totale Überorchestrierung. Kann das genießbar sein?

Schon wieder hat jemand den Ball verloren – Tonio Schachinger: Nicht wie ihr

Der Held in Schachingers Debütroman ist der siebenundzwanzigjährige Profifussballer Ivo. Er kann mit Freunden über Frauen reden, nicht aber über die Gefühle, die ihn beschäftigen. Nicht über das Gefühl, das Mirna in ihm ausgelöst hat, als er sie kürzlich aus dem bequemen Innern seines Bugatti heraus am Eingang eines Einkaufszentrums stehen sah. Das plötzliche Erscheinen seiner Jugendliebe überschwemmt Ivo mit Gefühlen, die er zuerst einordnen muss. Kommt er mit ihnen zurecht?