Täter-Opfer-Umkehr – Sylvia Wage: Grund

Jemanden über Jahre im eigenen Keller zu verstecken, ohne dass es irgendwer bemerkt, haben wohl die meisten für unmöglich gehalten. Bis sie die Geschichte von Natasha Kampusch erfuhren. Dass ein Vater seinen Kindern jemals etwas antuen könnte, werden wohl ebenfalls die meisten für unglaublich halten. Auch wenn es andauernd passiert. Und so schauen sie womöglich auch dann noch weg, wenn es sich in ihrem unmittelbaren Umfeld ereignet. Sylvia Wages Ich-Erzählerin hat so etwas erlebt. Indem sie erzählt, wie sich ihre Heldin gegen ihr Schicksal wehrt, protestiert die Autorin eindrucksvoll gegen die Ungerechtigkeit.

„Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten“ – Faust und die Faszination des Figurentheaters

Höllenfahrt und Auerbachs Keller, Walpurgisnacht und Gretchentragödie – alle großen Szenen aus Goethes Faust überführt Karl Huck in seinem Hiddenseer Faust in die Welt des Figurentheaters. Genauer müsste man sagen: Er führt den Stoff zurück an seinen Ursprungsort. Denn als Puppentheater lernte Goethe die tragische Geschichte um den lebenssüchtigen Gelehrten Faust kennen. Und als Puppentheater entfaltet der Stoff denn auch Dimensionen, die im klassischen Sprechtheater verborgen bleiben. Über eine Theatertradition auf der Insel Hiddensee und den faszinierendsten Faust aller Zeiten.

Gebrochene Verhältnisse – Khuê Pham: Wo auch immer ihr seid

In ihrem Debütroman verbindet Khuê Pham drei Erzählstränge und Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu einer einzigen Familiengeschichte. Die fiktionalisierte Annäherung an ihre eigene Familiengeschichte schildert, ohne zu urteilen, vermittelt unmittelbar und schafft durch drei unterschiedliche Perspektiven dreidimensionale Figuren, die auf seltsame und dennoch wunderbare Art und Weise miteinander harmonieren.

Die Liebe zum Faustschlag – Wolf Wondrateschek: Im Dickicht der Fäuste

Kann man in Zeiten der popkulturellen Ironie noch mit vollem Ernst über das Männerboxen schreiben? Sicherlich nicht. Doch Wolf Wondratschek, Journalist, Poet und selber Boxer, tut es dennoch und hat mit Im Dickicht der Fäuste eine Sammlung von Reportagen, Interviews und Gedichten aus 30 Jahren geschaffen, denen Attitüde und Zeitgeist nichts anhaben können.