In den Augen der Andern – Andreas Heidtmann: Wie wir uns lange Zeit nicht küssten, als ABBA berühmt wurde

‚Wie wir uns lange Zeit nicht küssten, als ABBA berühmt wurde‘ ist keine literarische Revolution. Es ist jedoch das gelungene Porträt eines Jugendlichen und zugleich einer Generation. Feinsinnig und einfühlsam zeichnet Andreas Heidtmann das mitreißende Bild eines Lebensabschnittes, der verwirrender nicht sein könnte und dementsprechend eine unerschöpfliche Quelle literarischer Biografiearbeit darstellt.

Sie will doch nur spötteln – Lisa Eckhart: Omama

Lisa Eckhart war in der jüngsten Zeit Gegenstand hitziger Debatten darüber, wo die ethischen Grenzen der Satire zu ziehen sind. Einmal mehr stehen sich dabei die Befürworter uneingeschränkter Kunstfreiheit und die Streiter für identitätspolitische Sensibilität offenbar unversöhnlich gegenüber. Unwohl wird einem, wenn die öffentlichen Diskussionen zu Einschränkungen des Wirkens der Beteiligten führen. In diesen emotional aufgeladenen und moralisch hochsensiblen Zeiten verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst als zuspitzendem Reflexionsmedium der Gesellschaft und dem wirklichen Leben zunehmend. Die eigene Befindlichkeit vieler Rezipienten oder deren Betroffenheit gegenüber anderen sozialen Gruppen wiegt schwerer als die Beachtung von Genrekonventionen. Nun hat Eckhart ihr – gewiss oft derbes – Kabarett erstmals in einen Roman gepackt. Muss man sich angegriffen fühlen? Und kann Kabarett in Romanform gelingen?

Wann ist ein Mann ein Held? – Monika Maron: Artur Lanz

Wenn Monika Maron einen neuen Roman veröffentlicht, ist das immer noch ein Großereignis. Die Autorin wird interviewt, es gibt zahlreiche Besprechungen und auf Twitter brüstet man sich damit, den Roman nicht lesen zu wollen. Dass dafür nicht nur literarische Gründe, sondern vor allem auch politische verantwortlich zu machen sind, versteht sich. Lohnt sich die Aufregung um ‚Artur Lanz‘? Wir finden, ja!

Die Stadt, die niemals schläft – Thorsten Nagelschmidt: Arbeit

Wenn man sich abends zum Ausgehen trifft, dann fragt man sich selten, welche Menschen einem diese Zeit überhaupt erst ermöglichen. Das persönliche Glück, die Freude stehen dabei im Vordergrund. Dabei sind es zahlreiche Menschen, die für diese schönen Zeiten garantieren – und die da sind, wenn sie kippen. Barkeeperinnen, Türsteher, Kioskbetreibende, Polizisten, Krankenhauspersonal, Tram- und Taxifahrerinnen und all die anderen. Thorsten Nagelschmidt hat einen Berlin-Roman vorgelegt, der die Sicht von diesen arbeitenden Menschen einnimmt und in einer Nacht zusammenfließen lässt. Und leider deshalb so konstruiert wie voraussehbar herüberkommt.

„Herzliche Hölle“ – Abbas Khider: Palast der Miserablen

Der Irak dringt immer wieder in unser Leben. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liefert ein illustrer Reigen im Irak geborener Autorinnen und Autoren mit großer Regelmäßigkeit Exilliteratur in deutscher Sprache: die Romancière Karosh Taha, die Kriminalautorin und Lyrikerin Susanne Ayoub und der Schriftsteller Usama Al Shahman, um nur die Wichtigsten zu nennen. Abbas Khider überstrahlt sie alle.

Befremdliches Schweigen – Hans Joachim Schädlich: Die Villa

Fünfundsiebzig Jahre nach Kriegsende schreibt Hans Joachim Schädlich das Buch ‚Die Villa‘ über das Leben einer vogtländischen Familie im Nationalsozialismus. Man könnte meinen: Das Buch kommt zum richtigen Zeitpunkt; erleben wir doch heute, wie rechtes Gedankengut teils ungehemmt aus diversen gesellschaftlichen Kreisen an die Öffentlichkeit dringt. Da braucht es Bücher, die dem entgegen stehen und laut aufzeigen, wie vermeintlich vergangene Strukturen reproduzierbar sind. Ist ‚Die Villa‘ solch ein Buch?

Die Möglichkeit einer Insel – Ist das „geistigste aller deutschen Seebäder“ bedroht?

Nicht erst seit Lutz Seilers fabelhaftem Roman ‚Kruso‘ ist Hiddensee ein literarischer Sehnsuchtsort. Etliche Schriftsteller, aber auch Maler, Schauspieler und andere Künstler fühlten sich von der Weltabgeschiedenheit, der Landschaft und dem Meer angezogen. Viele von ihnen haben der Insel ein Denkmal errichtet, haben ihre Schönheit besungen oder auf die Leinwand zu bannen versucht. Was ist es aber genau, was die Leute auf der Insel suchen? Und droht es wirklich zu verschwinden?

Das Bergerlebnis – Amanda Lasker-Berlin: Elijas Lied

Wann waren Sie zuletzt mit Ihren Geschwistern wandern? Vielleicht sollten Sie zuerst das Romandebüt von Amanda Lasker-Berlin lesen, bevor Sie zu einer solchen Unternehmung aufbrechen. Im Laufe der Zeit können sich Geschwister – in diesem Fall drei Schwestern – in sehr unterschiedliche Richtungen entwickeln. Von der scheiternden Suche nach Verständigung erzählt ‚Elijas Lied‘.