Probleme sind nur dornige Chancen – Jakob Augstein: Strömung

Auch wenn Strömung das literarische Debüt von Jakob Augstein ist, handelt es sich bei ihm keinesfalls um einen Neuling im Literaturbetrieb: Als Verleger, Kolumnist, Journalist und Sachbuchautor hat er einen festen Platz innerhalb der deutschen Medienlandschaft. Für seinen ersten Roman wählt Augstein eine Charakterstudie mit satirischen Zügen: Strömung erzählt vom Aufstieg und Fall des Franz Xaver Misslinger, einem redegewandten und nach Macht strebenden Jungpolitiker, für den Probleme nur dornige Chancen sind. Dass dieser Ausspruch an Christian Lindner erinnert, ist kein Zufall: Misslingers gesamte Partei zeigt unübersehbare Parallelen zur FDP, auch wenn es sich nicht um einen Schlüsselroman handelt. 

Holz und Vorurteil – Juli Zeh: Über Menschen

‚Über Menschen‘ ist so etwas wie die unzusammenhängende Fortsetzung von ‚Unterleuten‘, was auch der Autorin Anlass gibt, sich auf entsprechende Wortspiele einzulassen. Mit ‚Unterleuten‘ schrieb Juli Zeh 2016 einen großen Gesellschaftsroman über Deutschland 30 Jahre nach der Wende, über Großstadt- vs. Dorfleben, die Energiewende, zwischenmenschliche Beziehungen und aus der Gesamtsumme dieser Faktoren erwachsende Einzelschicksale. Aus einer ähnlichen Ausgangslage heraus entstand auch Zehs jüngstes Werk, mit einem zusätzlichen Faktor: der Corona-Pandemie. Insofern ist der Roman ein höchst zeitgemäßer, der die Leserin verwundert feststellen lässt, dass das Virus offensichtlich schon derart lange alltagsbestimmend ist, dass in der Zwischenzeit Bücher darüber geschrieben und veröffentlicht werden konnten.