Ein Vater, zwei Söhne und viele Welten. Thomaes Roman verhandelt überzeugend, wie vielseitig sich das Leben denken und führen lässt und wie eng individuelle Konflikte trotzdem beieinander liegen können. Im Kern handelt der Text von zwei Männern mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen. Die beiden verbindet jedoch nur, dass sie denselben afrikanischen Vater haben, der während seines Studiums in der DDR kurzweilig eine Beziehung zu zwei Frauen geführt hatte. Die Brüder Mick und Gabriel wissen nichts voneinander und kennen ihren Vater bis zum Ende der Erzählung genauso wenig. Das Einzige, das er ihnen zunächst hinterlassen hat, ist seine Hautfarbe, die nicht nur bei den im Roman auftretenden Frauen für Begeisterung sorgt, sondern auch im Feuilleton.
Schlagwort: Deutscher Buchpreis
Drache vs. Großmutter – Saša Stanišić: Herkunft
Wovon handelt ‚Herkunft‘? Von gestern, heute und morgen. Vom Erzählen an Aral-Tankstellen und dem Weissagen aus Nierenbohnen. Von Krieg und Flucht, Friedhöfen und Gräbern, aber auch von der Unbeschwertheit und dem Übermut, den es braucht, um mit freiem Oberkörper lauthals Eichendorff zu rezitieren. Aberwitz und Melancholie sind in fast allen Episoden miteinander vermengt, wobei mal das eine, mal das andere vorherrscht. Das Buch ist von einer sinnlichen und gedanklichen Fülle, an der man sich berauschen kann. Es macht glücklich und tieftraurig.


