„Menschgemansche“ – Olga Flor: Morituri

Über die Todgeweihten schreibt Olga Flor in ihrem heute erscheinenden Roman. Dabei begibt sich die Autorin nicht in die Antike, sondern bleibt im gegenwärtigen Österreich irgendwo auf dem Land in einem Dorf, neben dem ein Moor liegt. Im Zentrum der Geschichte steht der stadtflüchtige Maximilian, der sich auch nicht ganz so sicher ist, ob das Landleben ihn in seiner Einsamkeit nun glücklicher macht. Um ihn herum gruppiert sich eine Reihe von Dorfpersönlichkeiten. In ‚Morituri‘ webt Olga Flor die unterschiedlichen Figuren in einen Dorfalltag zusammen. Sie eint, dass sie alle unwissend ihrem Ende entgegenlaufen.

Ins Ungewisse hinein fragen – Hans Eichhorn: Ungeboren

Hans Eichhorn konnte sein vorletztes Buch selbst noch einmal in der Hand halten, ehe er mit nur 64 Jahren am 29. Februar 2020 (demselben Tag wie Alfred Kolleritsch, ein langjähriger Freund Eichhorns und der Begründer der Zeitschrift Manuskripte, für die Eichhorn gelegentlich geschrieben hat) starb. ‚Ungeboren‘ wirkt mit Blick auf den frühen Tod des Autors wie eine vorausschauende Ahnung, die sich dem Ungewissen in bekennender Unwissenheit gegenüberstellt. Ein wundervolles Prosastück für das eigenste Sein.