Ein Roman mit Adolf Eichmann erscheint auf den ersten Blick als eine heikle Angelegenheit. In Mischa Sebba werden wir dem jungen Eichmann gewahr, der im Kontrast zu seinem titelgebenden Jugendfreund steht – eine eigenwillige Freundschaft, deren Kern nur schwach leuchtet. Von Linz nach New York und wieder nach Linz zurück: Die örtliche Veränderung kennzeichnet die Etappen des Romans, in der Vergangenheit beleuchtet wird und diese in der Gegenwart noch heute wieder auftaucht.
Schlagwort: New York
Im Widerhall – Iris Hanika: Echos Kammern
Im Zentrum von Iris Hanikas ‚Echos Kammern‘ stehen Sophonisbe, Roxana und Josh, die durch Zufall zueinanderfinden. Mit dieser Konstellation entwirft die Autorin in ihrem jüngsten Roman die Geschichte von Echo und Narziss neu; sie überführt die ovid’sche Erzählung in einen modernen Kontext und erprobt dabei verschiedene Textformen. Vieles gelingt ihr so gut, dass der Roman insgesamt mehr ist als ein gelungenes Experiment.
Ich war ein Spion der Nazis – Ulla Lenze: Der Empfänger
Agentenkrimis sind spannend aber zumeist unrealistisch. Im echten Leben wären die Herren in den teuren Anzügen und schnellen Autos zu auffällig. Ulla Lenzes neuer Roman ‚Der Empfänger‘ über einen deutschen Spion im Amerika des Zweiten Weltkrieges ist hingegen äußerst realistisch und damit wäre auch schon das Positivste über das Werk gesagt. Das reale Fundament des Buches bilden über hundert Briefe, die der Großonkel der Autorin ab den 1940er-Jahren aus Amerika an seinen Bruder schrieb. Die Hauptfigur Josef Klein ist zwar eine literarische Erfindung, doch mehrere, z. T. namhafte Historikerinnen und Historiker berieten die Autorin bei ihrer Arbeit. Wie aus spannender Quellenlage und sorgfältiger Vorbereitung ein langweiliger Roman entstehen kann, wird im Folgenden gezeigt.



