Wenn man vom Teufel spricht – Eva Menasse: Dunkelblum

Im österreichischen Dunkelblum, im Burgenland an der ungarischen Grenze gelegen, haben die Menschen Verbrechen begangen. Doch sie und ihre Geschichte(n) scheinen größeren Gesetzen zu unterliegen. Gott schaut in die „Puppenhäuser seines Modellstädtchens“; dabei ist er im Bunde mit dem Teufel, der tatkräftig mitgebaut hat an diesem boshaften Dunkelblumer Menschenschlag. Die auch in der Kirche des Ortes anzutreffenden Teufelchen verhöhnen selbst die moralisch integren Bürger. Gerade im Moment der vermeintlichen Aufarbeitung der Naziverbrechen scheinen sie dem Menschen zuzujubilieren: „Das ist nicht das Ende der Geschichte.“ Wartet nur ab!

Ich war ein Spion der Nazis – Ulla Lenze: Der Empfänger

Agentenkrimis sind spannend aber zumeist unrealistisch. Im echten Leben wären die Herren in den teuren Anzügen und schnellen Autos zu auffällig. Ulla Lenzes neuer Roman ‚Der Empfänger‘ über einen deutschen Spion im Amerika des Zweiten Weltkrieges ist hingegen äußerst realistisch und damit wäre auch schon das Positivste über das Werk gesagt. Das reale Fundament des Buches bilden über hundert Briefe, die der Großonkel der Autorin ab den 1940er-Jahren aus Amerika an seinen Bruder schrieb. Die Hauptfigur Josef Klein ist zwar eine literarische Erfindung, doch mehrere, z. T. namhafte Historikerinnen und Historiker berieten die Autorin bei ihrer Arbeit. Wie aus spannender Quellenlage und sorgfältiger Vorbereitung ein langweiliger Roman entstehen kann, wird im Folgenden gezeigt.