Jemanden über Jahre im eigenen Keller zu verstecken, ohne dass es irgendwer bemerkt, haben wohl die meisten für unmöglich gehalten. Bis sie die Geschichte von Natasha Kampusch erfuhren. Dass ein Vater seinen Kindern jemals etwas antuen könnte, werden wohl ebenfalls die meisten für unglaublich halten. Auch wenn es andauernd passiert. Und so schauen sie womöglich auch dann noch weg, wenn es sich in ihrem unmittelbaren Umfeld ereignet. Sylvia Wages Ich-Erzählerin hat so etwas erlebt. Indem sie erzählt, wie sich ihre Heldin gegen ihr Schicksal wehrt, protestiert die Autorin eindrucksvoll gegen die Ungerechtigkeit.
Monat: November 2021
„Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten“ – Faust und die Faszination des Figurentheaters
Höllenfahrt und Auerbachs Keller, Walpurgisnacht und Gretchentragödie – alle großen Szenen aus Goethes Faust überführt Karl Huck in seinem Hiddenseer Faust in die Welt des Figurentheaters. Genauer müsste man sagen: Er führt den Stoff zurück an seinen Ursprungsort. Denn als Puppentheater lernte Goethe die tragische Geschichte um den lebenssüchtigen Gelehrten Faust kennen. Und als Puppentheater entfaltet der Stoff denn auch Dimensionen, die im klassischen Sprechtheater verborgen bleiben. Über eine Theatertradition auf der Insel Hiddensee und den faszinierendsten Faust aller Zeiten.
Quo vadis, Literatur? – Themen und Trends beim open mike 2021
Wer wissen möchte, in welche Richtung sich die deutschsprachige Literatur in nächster Zeit entwickeln wird, dürfte beim open mike an der richtigen Adresse sein. Ich hatte in diesem Jahr die Möglichkeit, den Nachwuchswettbewerb als Blogger begleiten zu dürfen. Dabei sind mir ein paar Trends aufgefallen.
Ein Mädchen bleibt im Walde – Jessica Lind: Mama
Jessica Linds Mama ist eine modernes Horrormärchen über das Muttersein. Die Erzählung verfolgt eine faszinierende Idee, die eine große Sogkraft entfaltet, auch wenn der Plan nicht immer aufgeht. Ein Buch mit Schwächen und Stärken.
Gebrochene Verhältnisse – Khuê Pham: Wo auch immer ihr seid
In ihrem Debütroman verbindet Khuê Pham drei Erzählstränge und Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu einer einzigen Familiengeschichte. Die fiktionalisierte Annäherung an ihre eigene Familiengeschichte schildert, ohne zu urteilen, vermittelt unmittelbar und schafft durch drei unterschiedliche Perspektiven dreidimensionale Figuren, die auf seltsame und dennoch wunderbare Art und Weise miteinander harmonieren.
Die Form ihres Lebens – Herta Müller: Der Beamte sagte
Ihr neuestes Buch hat Herta Müller nicht geschrieben, sondern geklebt. Aus Zeitungen und Zeitschriften ausgeschnittene Wortschnipsel collagierte sie mit Bildern zu einer Erzählung aus dem Auffanglager. Die ungewöhnliche Technik gibt einigen Aufschluss über die Poetik der Nobelpreisträgerin.






