Vom Suchen und Finden der Liebe – Martin Mosebach: Krass

Der Respekt vor dem Schriftsteller Martin Mosebach ist genauso groß wie der Vorbehalt gegen seinen ästhetischen und politischen Konservativismus. Das zeigt sich in den Kritiken, die bisher zu seinem neuen Roman ‚Krass‘ erschienen sind. Sie changieren zwischen Bewunderung und lässiger Missachtung von dem, was sie als Mosebachs literarische Kabinettstückchen in den Griff zu bekommen versuchen. Die Kritik ist so sehr damit beschäftigt, dem Büchner-Preisträger nicht auf den Leim zu gehen, dass sie das Wichtigste übersieht: ‚Krass‘ ist ein großer Roman über die Liebe.

Vom Leben und Kämpfen für ein Ideal, und der Enttäuschung – Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos

Anne Weber bricht in ihrem neuen Buch ganz bewusst mit der Tradition, indem sie eine Heldin in den Mittelpunkt eines Epos stellt – ein echtes Novum, sind doch die bekanntesten unter ihnen zwar nicht ausnahmslos, aber doch vor allem voll mit männlichen Helden. Sie entfernt sich in diesem Epos auch vom mythologischen Stoff und erzählt stattdessen die Lebensgeschichte einer jungen Frau im 20. Jahrhundert. Anne Beaumanoir, die als Résistance- und FLN-Kämpferin sich gegen Unrecht und für die Befreiung einsetzt, gerät in die ambivalente Situation, erst als Volksheldin bejubelt und dann als Volksverräterin bestraft zu werden. ‚Annette, ein Heldinnenepos‘ berichtet vom Einstehen für ein Ideal und von den zahlreichen damit verbundenen Enttäuschungen.