Interview: Gejagt von seinen eigenen Bildern

Günter Grass ist nun schon seit fünf Jahren tot. Sein Werk lebt allerdings als Schullektüre weiter. Der Steidl Verlag hat dem Schriftsteller zudem gerade mit der ‚Neuen Göttinger Ausgabe‘ ein prachtvolles Denkmal gesetzt. Was aber taugen seine Texte aus heutiger Perspektive eigentlich noch? Nicht so viel, wie gemeinhin behauptet wird, findet der Literaturwissenschaftler Jan Süselbeck. Dieser ist erst im Sommer aus Calgary zurückgekehrt, wo er für fünf Jahre als DAAD Associate Professor arbeitete. Dem Niedersächsischen Landesinstitut für Qualitätssicherung im Abitur hat Süselbeck gerade empfohlen, Grass von den Lektürelisten für das Abitur zu streichen. Grass-Fan Pascal Mathéus hat mit ihm per Videochat über Günter Grass gesprochen.

Befremdliches Schweigen – Hans Joachim Schädlich: Die Villa

Fünfundsiebzig Jahre nach Kriegsende schreibt Hans Joachim Schädlich das Buch ‚Die Villa‘ über das Leben einer vogtländischen Familie im Nationalsozialismus. Man könnte meinen: Das Buch kommt zum richtigen Zeitpunkt; erleben wir doch heute, wie rechtes Gedankengut teils ungehemmt aus diversen gesellschaftlichen Kreisen an die Öffentlichkeit dringt. Da braucht es Bücher, die dem entgegen stehen und laut aufzeigen, wie vermeintlich vergangene Strukturen reproduzierbar sind. Ist ‚Die Villa‘ solch ein Buch?