Das enfant terrible Heinz Strunk hat einen Liebesroman geschrieben. Beinahe unnötig zu sagen, dass die dargestellte Beziehung natürlich scheitert. Warum dieser Roman ein abhängig machender Katastrophenbericht ist.
Schlagwort: Roman
Täter-Opfer-Umkehr – Sylvia Wage: Grund
Jemanden über Jahre im eigenen Keller zu verstecken, ohne dass es irgendwer bemerkt, haben wohl die meisten für unmöglich gehalten. Bis sie die Geschichte von Natasha Kampusch erfuhren. Dass ein Vater seinen Kindern jemals etwas antuen könnte, werden wohl ebenfalls die meisten für unglaublich halten. Auch wenn es andauernd passiert. Und so schauen sie womöglich auch dann noch weg, wenn es sich in ihrem unmittelbaren Umfeld ereignet. Sylvia Wages Ich-Erzählerin hat so etwas erlebt. Indem sie erzählt, wie sich ihre Heldin gegen ihr Schicksal wehrt, protestiert die Autorin eindrucksvoll gegen die Ungerechtigkeit.
Ein Mädchen bleibt im Walde – Jessica Lind: Mama
Jessica Linds Mama ist eine modernes Horrormärchen über das Muttersein. Die Erzählung verfolgt eine faszinierende Idee, die eine große Sogkraft entfaltet, auch wenn der Plan nicht immer aufgeht. Ein Buch mit Schwächen und Stärken.
Gebrochene Verhältnisse – Khuê Pham: Wo auch immer ihr seid
In ihrem Debütroman verbindet Khuê Pham drei Erzählstränge und Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu einer einzigen Familiengeschichte. Die fiktionalisierte Annäherung an ihre eigene Familiengeschichte schildert, ohne zu urteilen, vermittelt unmittelbar und schafft durch drei unterschiedliche Perspektiven dreidimensionale Figuren, die auf seltsame und dennoch wunderbare Art und Weise miteinander harmonieren.
Die Metaphysik einer Familie – Elke Schmitter: Inneres Wetter
Drei erwachsene Kinder um die 50, ihr Vater, der auf seinen 77. Geburtstag zusteuert und die Schwiegertochter – sie bilden die Grundlage von Elke Schmitters Roman Inneres Wetter, der sich dem facettenreichen und schwer fassbaren Beziehungsgeflecht einer bürgerlichen Akademikerfamilie widmet.
Bildrauschen – Olivia Kuderewski: Lux
Der Weg ist das Ziel – ob sich diese zur Phrase verkommene Weisheit für Lux, die Hauptfigur in Olivia Kuderewskis gleichnamigen Roman, am Ende als wahr erweist? Vielleicht müsste der Weg dafür weniger extrem, die Erlebnisse weniger schmerzhaft sein. Vielleicht sind es aber genau diese existenziellen Erfahrungen, die Lux braucht, um wieder einen Halt zu finden.
Konturlose Räume und sich auflösende Schatten – Antje Rávik Strubel: Blaue Frau
Vier Teile, vier Namen: Adina, Nina, Sala und „der Mohikaner“ oder genauer „der letzte Mohikaner“. Der Aufbau von Antje Rávik Strubels neuestem Roman ist klar, doch schon auf den ersten Seiten zeigt sich die diffuse Komplexität, die die Leserin erwartet und noch zur Herausforderung werden wird. Ein Shortlist-Titel, der nicht nur von seiner Aktualität, sondern vielmehr von der Vielschichtigkeit der Figuren lebt.
Die Welt wird bunter – Mithu Sanyal: Identitti
Kein Roman atmet mehr Gegenwart als Identitti. Ja, es scheint sogar möglich, dass Menschen in 20 oder 50 Jahren zu diesem Buch greifen werden, wenn sie unsere Zeit verstehen wollen. Ist der Roman deshalb für uns Heutige überfordernd, weil er sich eigentlich an Menschen in der Zukunft richtet? Der Verdacht könnte aufkommen, denn immerhin beschreibt die Hauptfigur Saraswati ihre Wirkabsicht als Professorin genauso. Identitti ist aber keine Überforderung, sondern eine Zumutung. Man sollte sich ihr stellen.
Diese sehr ernste Inszenierung – Christian Kracht: Eurotrash
Alle reden über Kracht. Reden sie über einen Bluff? Kracht selbst wirft diese Frage in ‚Eurotrash‘ auf. Er stellt zur Disposition, ob der Schriftsteller mit dem Namen Christian Kracht überhaupt je etwas von Wert gesagt, geschweige denn zu Papier gebracht habe. Um über sich selbst und seine Herkunft Klarheit zu gewinnen, schnappt er sich seine Mutter und lässt sich von ihr auf einer Reise durch die Schweiz permanent für seine Nichtsnutzigkeit beschimpfen. ‚Eurotrash‘ ist wie alle Romane von Christian Kracht ein eigenartiges Buch.
„Ein Grauer unter bunten Vögeln“ – Monika Helfer: Vati
Wenig ist so ambivalent wie die eigene Familie, die sich zugleich heimisch anfühlt und doch immer etwas Rätselhaftes behält. Die Auseinandersetzung mit ihr und die Positionierung zu ihr sind Fragen, die zeitlos sind und uns ein Leben lang begleiten. Monika Helfer nimmt uns mit auf eine Reise durch Kindheitserinnerungen und Familienlegenden. Damit erschafft sie nicht nur ein liebevoll nostalgisches Bild ihres Vaters, sondern eine sensible Beschreibung der besonderen Beziehung zwischen Kindern und Eltern.










