11.000 Meter unter dem Meer – Jasmin Schreiber: Marianengraben

Es ist nicht leicht, über Jasmin Schreibers Romandebüt zu schreiben. Zumindest wenn es um eine einigermaßen nüchterne Analyse gehen soll. Zu nah rückt einem dafür diese Abschiedsgeschichte aus der Sicht einer jungen Frau, die gerade ihren zehnjährigen Bruder verloren hat. Jedoch – und das ist die Kunst dieses fabelhaften Romans – sind wir damit bereits mitten im Thema. ‚Marianengraben‘ erzählt von tiefer Verzweiflung, von der Angst vor zu viel Nähe und von der Überwindung dieser Angst, die die Rückkehr ins Leben bedeutet.

Sei doch einfach mal du selbst – Birgit Birnbacher: Ich an meiner Seite

Die letztjährige Bachmannpreisträgerin Birgit Birnbacher hat einen Roman über die Mangelhaftigkeit von Maßnahmen zur Eingliederungshilfe geschrieben. Die Angebote, die einem entlassenen Gefangenen nach verbüßter Haftstrafe den Weg in die Freiheit ebnen sollen, erscheinen darin als weltfremd und weitgehend sinnlos. Eine gute Idee. Aber leider kein guter Roman.

Quallenqual unter der Sonne – Joshua Groß: Flexen in Miami

Flexen: Dem Duden entnimmt man ‚trennschleifen‘, die Süddeutsche Zeitung schreibt ‚angeben‘, aber auch ‚posen‘ oder ‚hart rappen‘ und gibt damit Auskunft über die Bedeutung in der Jugendsprache. In Joshua Groß’ neuem Roman ‚Flexen in Miami‘ lesen wir von einem jungen Mann, dem es durch ein Schriftsteller-Stipendium ermöglicht wird, sorglos die Tage in Miami zu verleben. Es geht ihm eigentlich gut, doch weiß er nicht recht wohin mit sich. Während er selbst in Wollsocken die Klimaanlage anflext, müsste ein Trennschliff seinem Klotz vor dem Kopf beikommen.