„Du fühlst dich aber gut integriert, oder?“ – Deniz Ohde: Streulicht

Zweifel am Nutzen von Bildung hält sich hartnäckig (und wird auffallend häufig von männlichen Kritikern geäußert). Sie verderbe den Naturzustand des Menschen (Rousseau), führe zur „Spaltung der Gesellschaft“ (O-Ton rechtskonservativer Wähler) oder zementiere in ihrer institutionalisierten Form soziale Ungleichheit (Aladin El-Mafaalani). Deniz Ohde widmet sich in ihrem Debütroman Streulicht dem Thema und lässt ihre Erzählerin um die Frage kreisen, warum sie so wurde, wie sie ist.

Das Manifest der identitätspolitischen Partei – Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst

Olivia Wenzels Erzählerin hat tausendfältige Angst: Angst vor arabischen Terroristen, vor dem Reisen, vor Weißen, vor der Mehrheitsgesellschaft, vor der Mutter, vor ihrer Sexualität; davor, nicht dazuzugehören, sich zu binden, politisch nicht korrekt zu handeln oder selbst Mutter zu werden. In einem imaginierten Zwiegespräch mit sich selbst, das einer Therapiesitzung ähneln soll, geht sie den verschlungenen Wurzeln ihrer Ängste mal ernsthaft, mal halbherzig auf den Grund. Dabei münden alle Erinnerungen und Gedanken in den Fragen, wo, woher und wer sie sei – dringende Fragen nach ihrer Identität. Doch taugt dieses Gemisch aus Angststörungen und identitätspolitischen Affekten zu einem gelungenen Roman?