Otto Kernberg ist nicht nur einer der bekanntesten Psychoanalytiker unserer Zeit, er ist auch ein feinfühliger Intellektueller und Zeitzeuge mit bemerkenswerter Lebensgeschichte. Im Gespräch mit Manfred Lütz spricht Kernberg über sein Schaffen als Psychotherapeut, über seine Kindheit in Wien und seine Flucht vor den Nazis, über das Böse und das Pathologische, über Moral und Verantwortung, über das Glück, Kunst und Heimat. Dabei herausgekommen ist ein differenziertes, kluges Buch zu den großen, zeitlosen Fragen nach einem erfülltem Leben und gelingendem gesellschaftlichen Miteinander.
Monat: Januar 2021
Herr der Tagediebe – Zum ersten Todestag des Schriftstellers und Grafikers Christoph Meckel
Vor genau einem Jahr starb der Dichter und Grafiker Christoph Meckel in Freiburg. Seine Doppelbegabung war die Voraussetzung für eine Vielzahl von besonders schönen Kunstwerken. Der Versuch einer Würdigung.
L’art pour l’art, oder? – Leander Fischer: Die Forelle
Überraschende und gleichzeitig etwas großspurige Auftritte bezeichnet man für gewöhnlich mit dem Ausdruck „Paukenschlag“. Das würde dem grandiosen, völlig übergeschnappten Debütroman von Leander Fischer jedoch nicht gerecht werden. Zu grazil ist ‚Die Forelle‘ gearbeitet, zu filigran ist das Besteck, mit dem der 1992 im oberösterreichischen Vöcklabruck geborenen Schriftsteller scheinbar nur das Fliegenfischen, in Wahrheit aber die ganze Welt auseinandernimmt. Ein besonderes, aus der Zeit gefallenes Buch.
Schneeweiße Cola in Acapulco – Zur Sprache der Schizophrenen
Die Sprache der Schizophrenen entzieht sich der Beurteilung mit unseren hergebrachten Kategorien. Wer genau hinhört, kann in den auf den ersten Blick sinnlos erscheinenden Äußerungen nicht nur das Bedürfnis nach Verständigung und Zuwendung erkennen. Es entstehen mitunter auch Sprachschöpfungen von eigentümlicher Schönheit, die überraschen und berühren.
Gefangen im eigenen Leben – Alexa Hennig von Lange: Die Wahnsinnige
Seit ihrem Debüt-Roman ‚Relax‘ (1997), mit dem sie sich als neue weibliche Stimme in der deutschen Popliteratur etablierte, schreibt Alexa Hennig von Lange fast jedes Jahr ein neues Buch. Jugend- und Kinderliteratur, Gesellschaftsromane, ein Sachbuch und ein Theaterstück. Ihr jüngstes Buch ist der historische Roman ‚Die Wahnsinnige‘. Eine Anregung zur Beschäftigung mit drängenden Fragen von heute.
„Mein Lieblingswrestler war Undertaker“ – Wrestling und Literatur
Literatur und Wrestling sind verwandte Kunstform. Wie Scheherazade in ‚Tausendundeiner Nacht‘ befinden sich Wrestler nach dem Urteil des österreichischen Schriftstellers Clemens J. Setz in einer Endlosschleife zwischen Fiktion und Realität. Was der Undertaker, Hulk Hogan und Ric Flair darüber hinaus mit Rotkäppchen und dem Bösen Wolf, mit Andromache und den Gestalten des antiken Theaters und mit den Darstellungsformen von Literatur überhaupt zu tun haben.
Ins Ungewisse hinein fragen – Hans Eichhorn: Ungeboren
Hans Eichhorn konnte sein vorletztes Buch selbst noch einmal in der Hand halten, ehe er mit nur 64 Jahren am 29. Februar 2020 (demselben Tag wie Alfred Kolleritsch, ein langjähriger Freund Eichhorns und der Begründer der Zeitschrift Manuskripte, für die Eichhorn gelegentlich geschrieben hat) starb. ‚Ungeboren‘ wirkt mit Blick auf den frühen Tod des Autors wie eine vorausschauende Ahnung, die sich dem Ungewissen in bekennender Unwissenheit gegenüberstellt. Ein wundervolles Prosastück für das eigenste Sein.
Interview: „Heimat ist kein Ort, aus dem man vertrieben werden kann“
Iris Wolffs Roman ‚Die Unschärfe der Welt‘ war einer der Erfolge des letzten Buchjahres. Während die Autorin den Marie Luise Kaschnitz-Preis verliehen bekam, war der Roman gleich für mehrere Preise nominiert. Auch die Kritik hat das Buch äußerst positiv aufgenommen. Mit Aufklappen hat die in Freiburg lebende Schriftstellerin über ihre Poetik, über Preise und die Grenzen der Sprache gesprochen.
#bsoffeninwien – Stefanie Sargnagel: Dicht
Es gibt Bücher, die machen durstig. ‚Herr Lehmann‘ z.B. oder ‚Wem die Stunde schlägt‘ (achten Sie mal auf die Weinbeschreibungen). ‚Dicht‘ von Stefanie Sargnagel reiht sich in diese feuchte Tradition ein, ohne jedoch das Niveau eines Hemingway oder gar den Witz eines Regener zu erreichen. Aber okaye Unterhaltung ist es doch.
Die Hölle, das ist die andere – Xaver Bayer: Geschichten mit Marianne
Zu zweit geht alles leichter, sagt der Volksmund. Das ist eine Lüge. Xaver Bayer entwirft in ‚Geschichten mit Marianne‘ ein Panoptikum von Beziehungsmomenten, die allesamt ins Phantastische gesteigert werden und dadurch zu den Urängsten und tiefsten Wünschen von Liebenden vordringen. In zwanzig traum- und albtraumhaften Episoden wirft Bayer Schlaglichter auf die vielfach vertrackte Idee eines Lebens zu zweit. Alle begehren es und doch macht es nichts als Kummer. Es ist die einzige Rettung und gleichzeitig ein nicht enden wollender Sturz in den Abgrund.










