Born to be wild – Peter Karoshi: Zu den Elefanten

Ein tief in der Midlifecrisis steckender Wissenschaftler und sein neunjähriger Sohn machen spontan eine Rucksackreise auf den Spuren Kaiser Maximilians II. und des Elefanten Soleiman. Der klägliche Versuch, seiner kriselnden Beziehung zu entkommen, entgleist erwartungsgemäß völlig und wird zu einer wirren Selbstfindungsreise. Ein wilder Ritt mit vielen Ideen, aber auch vielen losen Enden.

Die Welt wird bunter – Mithu Sanyal: Identitti

Kein Roman atmet mehr Gegenwart als Identitti. Ja, es scheint sogar möglich, dass Menschen in 20 oder 50 Jahren zu diesem Buch greifen werden, wenn sie unsere Zeit verstehen wollen. Ist der Roman deshalb für uns Heutige überfordernd, weil er sich eigentlich an Menschen in der Zukunft richtet? Der Verdacht könnte aufkommen, denn immerhin beschreibt die Hauptfigur Saraswati ihre Wirkabsicht als Professorin genauso. Identitti ist aber keine Überforderung, sondern eine Zumutung. Man sollte sich ihr stellen. 

Diese sehr ernste Inszenierung – Christian Kracht: Eurotrash

Alle reden über Kracht. Reden sie über einen Bluff? Kracht selbst wirft diese Frage in ‚Eurotrash‘ auf. Er stellt zur Disposition, ob der Schriftsteller mit dem Namen Christian Kracht überhaupt je etwas von Wert gesagt, geschweige denn zu Papier gebracht habe. Um über sich selbst und seine Herkunft Klarheit zu gewinnen, schnappt er sich seine Mutter und lässt sich von ihr auf einer Reise durch die Schweiz permanent für seine Nichtsnutzigkeit beschimpfen. ‚Eurotrash‘ ist wie alle Romane von Christian Kracht ein eigenartiges Buch.

Schuldgefühle und Trauerbewältigung – Jasmin Schreiber: Der Mauersegler

Eine hektische Flucht durch Vergangenheit und Gegenwart hat Jasmin Schreiber in ihrem Roman Der Mauersegler zu Papier gebracht. Bei den unerwarteten Kurven und Kunststücken, welche die Handlung immer wieder vollführt, ist es nicht ganz leicht, die Übersicht zu behalten. Gelingt es aber, dem Mauersegler zu folgen, setzt die Geschichte ungeahnte Emotionen frei.

Kritik der Kritik der Kritik – Gespräche zur Rettung der Literaturkritik

Stirbt die Literaturkritik? Gehören die gegenwärtigen Klagen über den Zustand der Kritik bloß zu jenen Nebengeräuschen, die der Betrieb immer produziert hat? Oder muss sich wirklich etwas ändern, damit die Literaturkritik bestehen kann? Brauchen wir sie eigentlich überhaupt? Dieses und mehr untersucht Aufklappen in diesem Sommer in einer Reihe von Interviews mit Literaturkritikerinnen und -kritikern.

„‚Gehirn…‘, sagten die Körperfresser immer wieder mit ihren toten Stimmen“– Lola Randl: Die Krone der Schöpfung

Das Virus rast noch immer dahin und die Schriftsteller*innen hinken hinterher. Unter dem wachsamen Auge der Literaturkritik versuchten sie in den vergangenen Monaten, die Pandemie in den Griff zu bekommen, in Coronatagebüchern, -briefen und -blogs. Doxographen gleich hechelten sie der Flut an schon Gesagtem nach, dass das Virus mit sich spülte, während sie es aufzugreifen, zu ordnen und zu bändigen versuchten. Doch für eine zeitlose Erzählung von hoher literarischer Qualität waren sie viel zu nah am Zeitgeschehen, jeder Versuch musste scheitern. Und seien wir ehrlich: Wer will mitten in der Pandemie einen Coronaroman lesen? Die Filmregisseurin und Autorin Lola Randl hat das erkannt und sich dem Virus angepasst.

Des Hamsters Kern – Joachim Meyerhoff: Hamster im hinteren Stromgebiet

In Zeiten nicht enden wollender, im eigenen Sumpf vor sich hindümpelnder TV-Serien sind es viele böse Vorurteile, die der Lektüre eines „fünften Teils“ vorausgehen. Es hat den Beigeschmack einer weiteren Zugabe, wenn einem längst schon die Hände vom Applaudieren schmerzen. Glücklicherweise ist Meyerhoffs neuer Roman ‚Hamster im hinteren Stromgebiet‘ mehr als ein bloßes Anknüpfen an bisherige Erfolgsrezepte, und darüber hinaus hochunterhaltsam.

Beim Hinauf- und Hinabfahren der Alb – Bov Bjerg: Serpentinen

Im FAZ Bücher-Podcast bereits vor seinem Erscheinen gehypt, in der ZEIT gefeiert, von Denis Scheck für seine außerordentliche sprachliche Qualität gelobt: ‚Serpentinen‘ ist das Buch der Stunde. In der Tat beeindruckt der Roman mit seinen Innenansichten aus der Seele eines verzweifelten Mannes, der aus Furcht vor Selbstmord über die Tötung seines Sohnes nachdenkt. Doch der mit heißem Furor vorgetragene Rundumschlag des leidenden Helden gegen eine durch und durch verdorbene Welt erweist sich als enttäuschend eindimensional.