„Das Buch heißt Roman, weil es sich um eine subjektive Form der Erinnerung handelt“ – Frank Witzel: Inniger Schiffbruch

Gedächtnis und Erinnern sind alte Kulturtechniken, die bis heute Gemeinschaften und Indivi-duen prägen. Was das Gedächtnis und die Erinnerungen nach dem Verlust wichtiger Men-schen auslösen, dem spürt Frank Witzel in seinem neuesten Roman ‚Inniger Schiffbruch‘ nach und entdeckt dabei Verlorenes wieder, trifft auf Widersprüchliches und legt Neues offen. Die Nähe zu seinen realen Lebenserlebnissen lösen hier und dort die fiktive Textanlage auf. Doch lädt Frank Witzel durch seinen offenen Umgang den Leser dazu ein, selbst über die eigene Ge-schichte nachzudenken.

11.000 Meter unter dem Meer – Jasmin Schreiber: Marianengraben

Es ist nicht leicht, über Jasmin Schreibers Romandebüt zu schreiben. Zumindest wenn es um eine einigermaßen nüchterne Analyse gehen soll. Zu nah rückt einem dafür diese Abschiedsgeschichte aus der Sicht einer jungen Frau, die gerade ihren zehnjährigen Bruder verloren hat. Jedoch – und das ist die Kunst dieses fabelhaften Romans – sind wir damit bereits mitten im Thema. ‚Marianengraben‘ erzählt von tiefer Verzweiflung, von der Angst vor zu viel Nähe und von der Überwindung dieser Angst, die die Rückkehr ins Leben bedeutet.