Eine heillose Jagd über die Grabstätten Europas – Leonhard Hieronymi: In zwangloser Gesellschaft

Leonard Hieronymi schickt seinen Erzähler über die Friedhöfe Europas, immer auf der Suche nach Gräbern verstorbener Schriftsteller, um diese vor dem Vergessen zu bewahren. Die Reise führt ihn zu verschiedenen Protagonisten der europäischen Literaturgeschichte. Was wir von diesen erfahren ist nicht viel, die meisten Informationen gleichen Randnotizen. Die Suche ist vielmehr ein Spektakel, das der Selbstinszenierung dient. Muss man das lesen?

Kampf um die Moderne – Mariam Kühsel-Hussaini: Tschudi

Berlin zur Jahrhundertwende. Die Stadt lebt, vibriert, pulsiert und mitten drin Hugo von Tschudi, Direktor der Nationalgalerie. Der Schweizer holt den französischen Impressionismus in die Hauptstadt des Deutschen Kaiserreiches und überschreitet damit in den Augen des Kaisers, der Deutschnationalen und konservativer Kunstliebhaber Grenzen. Die Grenzen zu Überforderung, Akzeptanz, Nationalismus – und allen voran zur Moderne. Zu einer neuen Zeit.

Die Stadt, die niemals schläft – Thorsten Nagelschmidt: Arbeit

Wenn man sich abends zum Ausgehen trifft, dann fragt man sich selten, welche Menschen einem diese Zeit überhaupt erst ermöglichen. Das persönliche Glück, die Freude stehen dabei im Vordergrund. Dabei sind es zahlreiche Menschen, die für diese schönen Zeiten garantieren – und die da sind, wenn sie kippen. Barkeeperinnen, Türsteher, Kioskbetreibende, Polizisten, Krankenhauspersonal, Tram- und Taxifahrerinnen und all die anderen. Thorsten Nagelschmidt hat einen Berlin-Roman vorgelegt, der die Sicht von diesen arbeitenden Menschen einnimmt und in einer Nacht zusammenfließen lässt. Und leider deshalb so konstruiert wie voraussehbar herüberkommt.