Jugendstil – Benedict Wells: Hard Land

Der neue Coming-of-Age-Roman von Benedict Wells um vier High School Kids aus einer Kleinstadt in Missouri ist derart mit Klischees und Peinlichkeiten vollgestopft, dass man eigentlich schon nach wenigen Seiten genug davon hat. Doch dann liest man weiter und kann nur noch staunen. Denn hier sitzt jedes Klischee, jede Peinlichkeit ist genau an die richtige Stelle gesetzt. Selten gab es einen Roman über das Erwachsenwerden mit glaubwürdigeren und lebendigeren Figuren.

Interview: „Leben ist, Schaden zu nehmen“

Till Raether arbeitet als freier Journalist und Kolumnist unter anderem für die Frauenzeitschrift Brigitte und das SZ-Magazin. Zudem hat er mehrere Romane veröffentlicht. Sein neustes Buch ist ein Bericht über seine persönlichen Erfahrungen mit Depressionen, und die Schilderung seines Umgangs damit. Die Psychologin Britta Mathéus spricht mit ihm im Interview über die gesellschaftlichen Aspekte der Krankheit, die Bedeutung der Diagnose und den Prozess der Verantwortungsübernahme.

Kopflos ins Abenteuer – Jan Koneffke: Die Tsantsa-Memoiren

„Unsere Köpfe würden eine schöne Trophäe abgeben, wenn nicht sogar eine begehrte“, schrieb der U.S. Amerikaner Fritz Up de Graff über sein Zusammentreffen mit Jívaro-Kriegern im Jahr 1894 in Ecuador. Spätestens seit seinem Reisebericht, in dem sich Fiktion und stereotype Zuschreibung mit tatsächlich Erlebtem vermischen, geistern Schrumpfköpfe durch die Literatur. Jan Koneffke macht sie nicht nur zum Gegenstand der Erzählung, sondern zum Erzähler selbst: In ‚Die Tsantsa-Memoiren‘ berichtet der Schrumpfkopf Tato in vier Teilen von seinem langen „Leben“.

„Das ist jetzt unser Land, ihr Sumpfgeburten.“– Franzobel: Die Entdeckung Amerikas

Es gibt das bunte Programm, das anspruchsvolle Programm, und dann gibt es noch das „übliche Programm“. In Franzobels historischem Roman zur ersten Nordamerikaexpedition bedeutet das: Indigene bekehren, Indigene schlachten, durch Sumpfwälder stapfen. Tag um Tag, Seite um Seite – wie eintönig! Kann Fabulierlust und Sprachspiel diese Monotonie aufbrechen?

Mit Beyoncé ins Verderben – Eva Munz: Oder sind es Sterne

Auf der Suche nach Sinn, Identität und Vergebung kreuzen sich am Beginn des 21. Jahrhunderts die Lebenslinien dreier Männer, die zunächst geografisch voneinander entfernt, deren Existenzen jedoch eng miteinander verflochten sind. In ihrem ersten Roman fusioniert die Autorin Eva Munz drei Erzählperspektiven zu einem gemeinsamen Narrativ unter dem Eindruck weltpolitischer Enttäuschungen.

Familiendemo – Katrin Seddig: Sicherheitszone

„Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu“: Wer kennt das Zitat Ödon von Horvaths nicht auch von Postkarten, Sprüche-Kalendern und T-Shirts und hat beim Lesen vielleicht leise gelächelt. Keiner der Charaktere in Katrin Seddigs G20-Roman ‚Sicherheitszone‘ würde solch ein Shirt in der Öffentlichkeit tragen. Von Horvaths Worte scheinen ihnen aber auf die Bretter vor ihren Köpfen geschrieben zu sein. So wie vermutlich den meisten von uns.

„Menschgemansche“ – Olga Flor: Morituri

Über die Todgeweihten schreibt Olga Flor in ihrem heute erscheinenden Roman. Dabei begibt sich die Autorin nicht in die Antike, sondern bleibt im gegenwärtigen Österreich irgendwo auf dem Land in einem Dorf, neben dem ein Moor liegt. Im Zentrum der Geschichte steht der stadtflüchtige Maximilian, der sich auch nicht ganz so sicher ist, ob das Landleben ihn in seiner Einsamkeit nun glücklicher macht. Um ihn herum gruppiert sich eine Reihe von Dorfpersönlichkeiten. In ‚Morituri‘ webt Olga Flor die unterschiedlichen Figuren in einen Dorfalltag zusammen. Sie eint, dass sie alle unwissend ihrem Ende entgegenlaufen.