Dieses Dorf ist die Hölle selbst – Karen Köhler: Miroloi

Karen Köhlers erster Roman ist das umstrittenste Buch der Saison. Auf der einen Seite wird es vom Verlag als Spitzentitel des Herbstes beworben, wird Twitter überschwemmt von einer Begeisterungsflut glücklicher Leserinnen, die das feministische Buch der Stunde feiern. Auf der anderen Seite steht die Kritik von Jan Drees, der damit eine literaturkritische Generaldebatte auslöste. Drees hält ‚Miroloi‘ für einen banalen Jugendroman, der das Versagen des vor ihm niederknienden Feuilletons beweise. Beide Seiten haben unrecht.

Rasender Rom-Reporter – Simon Strauß: Römische Tage

„Für Dich, Rom“, lautet die Widmung in Simon Strauß’ neuem Buch. Und spätestens jetzt wird klar: Strauß ist es mit seinem Pathos ernst. Nach dem Fluchtversuch in die Sünde folgt nun der in den Sündenpfuhl der Stadt auf den sieben Hügeln. Doch nicht ihre Qualitäten als neues Babylon ziehen Strauß’ Protagonisten an. Vielmehr ist es die Fülle an Erinnerungen und Geschichte, die ihn reizt. Er will sich verbinden mit den vergangenen Jahrhunderten und so der Gegenwart entkommen.

Wie landet man den Anchor Punch? – Stefan Moster: Alleingang

Freddy ist frei. Entlassen aus dem Gefängnis – und das bereits zum dritten Mal in seinem Leben. Was fängt man mit der Freiheit an, wenn man nicht einmal verstanden hat, wie es so weit kommen konnte? Er streift sich die alte Lederjacke über, wirft die Sporttasche über die Schulter und zieht los. Wohin soll er gehen? Er zögert die Entscheidung hinaus und schwelgt in Erinnerungen.

Verbittert in Berlin – Anke Stelling: Schäfchen im Trockenen

Was taugt der Roman, der in diesem Jahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde? Knallharte und mit einigem Furor vorgetragene Gesellschaftskritik steht im Zentrum von ‚Schäfchen im Trockenen‘. Die Erzählerin Resi wendet sich an ihre jugendliche Tochter. Sie will sie aufklären, will sie wappnen mit dem, was sie als ‚die Wahrheit‘ erkannt hat. Eine Heldin, die die Wahrheit kennt und bereit ist, uns zusammen mit ihrer Tochter zu belehren – kann das gutgehen?

Muss man wissen – Demian Lienhard: Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat

„Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht erlebt“, erklärte uns Falco. Insofern kann Demian Lienhard, Jahrgang 1987, seine Jugend nicht schaden, wenn er uns hineinnimmt in die Zürcher Drogenszene um den Park Platzspitz und den stillgelegten Bahnhof Letten zwischen dem Ende der 80er und dem Anfang der 90er Jahre. Anschaulich und mitreißend sind denn auch seine Schilderungen aus der Perspektive seiner Heldin Alba, die immer tiefer im Heroinsumpf versinkt. Doch bis das Buch Fahrt aufnimmt, dauert es sehr lange.

Und dann kommt irgendwann der große Knall – Helene Hegemann: Bungalow

Aus den hässlichsten Grausamkeiten, die man sich vorstellen kann, und den frühreif-zynischen Kommentaren der halbwüchsigen Heldin besteht Helene Hegemanns dritter Roman ‚Bungalow‘. Hegemann ist nah am Sound ihrer Generation. Sie verhandelt die Daseinsschwierigkeiten der Milliennials aus ihrer Sicht und mit ihrer Sprache. Das ist durchaus spannend. Aber der Roman leidet unter seiner Ziellosigkeit.