Der Himmel über Berlin ist der Aufenthaltsort des Helden in Sibylle Lewitscharoffs neuem Roman. Ein unsichtbarer Geist schwebt über der Stadt und sucht die Menschen und Schauplätze auf, die ihm zu Lebzeiten etwas bedeutet haben. Kein Tunnel und kein gleißendes Licht erscheinen dem Verstorbenen. Auch für die Toten gibt es weder Gewissheit noch Ruhe.
Schlagwort: Roman
Danke Merkel – Friedrich Christian Delius: Wenn die Chinesen Rügen kaufen, dann denkt an mich
In seinem neuen Roman erteilt F. C. Delius einem abgehalfterten Wirtschafts-Journalisten mit dem bedeutungsvollen Spitznamen Kassandra das Wort. Ein Tagebuch erscheint ihm als das angemessene Format für seinen Frontalangriff auf die Politik der Ära Merkel. Dabei erinnert er an die alte Weisheit ‚it’s the economy, stupid‘ und warnt eindringlich vor der drohenden ökonomischen Übernahme durch die Chinesen. Im Gegensatz zu Europa verfolge die Volksrepublik eine langfristige Strategie, als deren Ziel der Sieg im Kampf der politischen Systeme erstrebt werde. Die Horrorvision einer ökonomischen Invasion auf Rügen wird zum Antrieb für seine Suada.
Dieses Dorf ist die Hölle selbst – Karen Köhler: Miroloi
Karen Köhlers erster Roman ist das umstrittenste Buch der Saison. Auf der einen Seite wird es vom Verlag als Spitzentitel des Herbstes beworben, wird Twitter überschwemmt von einer Begeisterungsflut glücklicher Leserinnen, die das feministische Buch der Stunde feiern. Auf der anderen Seite steht die Kritik von Jan Drees, der damit eine literaturkritische Generaldebatte auslöste. Drees hält ‚Miroloi‘ für einen banalen Jugendroman, der das Versagen des vor ihm niederknienden Feuilletons beweise. Beide Seiten haben unrecht.
Wie landet man den Anchor Punch? – Stefan Moster: Alleingang
Freddy ist frei. Entlassen aus dem Gefängnis – und das bereits zum dritten Mal in seinem Leben. Was fängt man mit der Freiheit an, wenn man nicht einmal verstanden hat, wie es so weit kommen konnte? Er streift sich die alte Lederjacke über, wirft die Sporttasche über die Schulter und zieht los. Wohin soll er gehen? Er zögert die Entscheidung hinaus und schwelgt in Erinnerungen.
Bahnreise durch Feindesland – Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende
Wie verliert man seinen Verstand? Etwa dann, wenn sich das Wertesystem über Nacht radikal auflöst, innerhalb dessen man sich zuvor begriffen, an dem man sich noch gestern ausgerichtet hat; wenn aus allem Vertrauten und Hergekommenen plötzlich „Feindesland“ wird.
Was man von oben sehen kann – Reinhard Kaiser-Mühlecker: Enteignung
Kaiser-Mühlecker kann so viel und macht im vorliegenden Roman so wenig daraus. In ‚Enteignung‘ gehen aus einer verschlungenen ménage à cinq am Ende zwei Tote hervor. Zurück bleibt ein einigermaßen ratloser Leser.
Auf der Suche nach dem verlorenen Ich – Anna Stern: Wild wie die Wellen des Meeres
‚Wild wie die Wellen des Meeres‘ ist Anna Sterns dritter Roman. Er erzählt die Geschichte von Ava, einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst, von ihrem Drang nach Freiheit und ihrer Liebe zu Paul. Es ist ein stilles Buch mit einem atemberaubenden Finale.
Muss man wissen – Demian Lienhard: Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat
„Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht erlebt“, erklärte uns Falco. Insofern kann Demian Lienhard, Jahrgang 1987, seine Jugend nicht schaden, wenn er uns hineinnimmt in die Zürcher Drogenszene um den Park Platzspitz und den stillgelegten Bahnhof Letten zwischen dem Ende der 80er und dem Anfang der 90er Jahre. Anschaulich und mitreißend sind denn auch seine Schilderungen aus der Perspektive seiner Heldin Alba, die immer tiefer im Heroinsumpf versinkt. Doch bis das Buch Fahrt aufnimmt, dauert es sehr lange.
Und dann kommt irgendwann der große Knall – Helene Hegemann: Bungalow
Aus den hässlichsten Grausamkeiten, die man sich vorstellen kann, und den frühreif-zynischen Kommentaren der halbwüchsigen Heldin besteht Helene Hegemanns dritter Roman ‚Bungalow‘. Hegemann ist nah am Sound ihrer Generation. Sie verhandelt die Daseinsschwierigkeiten der Milliennials aus ihrer Sicht und mit ihrer Sprache. Das ist durchaus spannend. Aber der Roman leidet unter seiner Ziellosigkeit.
Der deutsche Houellebecq – Eckhart Nickel: Hysteria
Eckhart Nickel ist mit seinem Romandebüt ein großer Wurf gelungen. ‚Hysteria‘ glänzt vor allem durch seinen kunstvoll arrangierten Aufbau. Es verblüfft mit immer neuen fürchterlichen Details einer totalitären Zukunft und berührt mit den Widrigkeiten einer Liebe in Zeiten der Ökohysterie.










